Die Bielefelder Stadtwerke und ihre ehemaligen Teilhaber sind Mitinhaber und Profiteure des "E.ON Gemeinschafts-Kernkraftwerk Grohnde" (Beteiligung 16,67 Prozent). Zur Zeit (Mai 2012) planen die AKW-Betreiber gefährliche MOX-Brennelemente aus Sellafield nach Grohnde zu transportieren.
Das AKW Grohnde ist nur 60 km von Bielefeld entfernt, der Stadtwerkestrom stammt zu ca. 50 Prozent aus Atomkraft und die Stadtwerke Bielefeld wollen Grohnder Atomstrom weiter nutzen.
Das im April 2011 veröffentliche Gutachten "Atomausstieg 2015 und regionale Versorgungssicherheit" der Universität Flensburg zeigt auf, dass weder Lichter ausgehen noch neue Stromleitungen nötig sind, um alle deutschen Atomkraftwerke abzuschalten. Angebliche Unregelbarkeit erneuerbarer Energiequellen wurde auch schon mal technisch widerlegt: Forschende aus Kassel haben mit dem Projekt regeneratives Kombikraftwerk den normalen Stromtagesbedarf erneuerbar nachgefahren. Auch auf der Webseite 100-gute-gruende.de finden Sie viele Informationen, die Stromlügen entlarven und Gefahren und Nachteile der Atomenergie aufzeigen.
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Der Energiekonzern E.ON ist zwar kein direkter Teilhaber der Stadtwerke Bielefeld, aber Hauptbetreiber des Atomkraftwerk Grohnde, des Kohle-, Gas- und Müllkraftwerks Veltheim bei Vlotho, sowie der Hamelner und Bielefelder Müllverbrennungsanlage. Bei den MVA-Anteilen ist eine Übernahme von E.ON im Gespräch. Beim AKW Grohnde will man bis zur "grünen Wiese" weiter gemeinsame Geschäfte machen (falls kein Gau oder ein Umdenken dies beendet).
Lange sah es so aus, als wollten die Stadtwerke Bielefeld bei allen Anlagen Juniorpartner von E.ON bleiben. In Veltheim sollte "mit geeigneten Partnern" ein neues Gas-Großkraftwerk gebaut werden, wenn die dortigen Kohlekessel 2013 vom Netz gehen. Vermutlich wird dieses Vorhaben zugunsten eines Krefelder Gaskraftwerks im "Chempark" aufgegeben, wo interessanterweise viele Proteste ein Kohlekraftwerk des Stadtwerke-Verbundunternehmens Trianel verhinderten und die effektivere, jetzige Planung erzwangen.

Laut Zeitungsberichten, bestätigt vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), plant der AKW-Betreiber E.ON Kernkraft und das Atomtransportunternehmen "Nuclear Cargo + Service GmbH" aktuell 16 "Mischoxid"-Brennelemente (MOX) aus Sellafield an das AKW Grohnde zu liefern. Am 31. März 2012 wurde bekannt, dass der Transport durch das BfS genehmigt wurde. Die Pressesprecherin von E.ON Kernkraft behauptete laut "Deister- und Weserzeitung": "Die Transportplanungen werden gegenwärtig mit den beteiligten Sicherheitsbehörden abgestimmt". Angeblich sollen die Elemente aber nicht in der kommenden Revision ab dem 5. April in den Reaktor eingesetzt werden, die Transporttermine werden - auch wegen der atomwaffenfähigen Fracht - geheimgehalten.
Vielleicht will Bundesumweltminister Röttgen während des Landtagswahlkampf keinen Plutoniumtransport auf den NRW-Autobahnen rollen sehen und hat eine Verschiebung auf die Zeit danach gefordert, wir werden es wohl nicht erfahren. Allerdings wird die Abfahrt in England vermutlich nicht unbeobachtet bleiben und hier bekannt werden. Wegen eines im Januar erlassenen Verbotes der Umladung von Brennelementen in Bremer Häfen, der Ablehnung des Transportes in Cuxhaven und angekündigten Protesten in Hamburg, soll die neu beantragte Strecke vermutlich über einen ausländischen Hafen und die A2 bei Bielefeld führen.
Die Bielefelder Berufsfeuerwehr ist laut Aussagen eines Mitarbeiters nicht über Transportplanungen informiert und wäre bei einem katastrophalen Unfall der Plutoniumtransporter nicht in der Lage einzuschreiten. Der Transport enthält ca. 400kg Plutonium, das zum einen atomwaffenfähig ist und zum anderen eingeatmet in geringsten Dosen tödlich sein kann, falls es z.B. bei einem Unfall freigesetzt wird. Gegen die gefährlichen MOX-Transporte und den Einsatz der MOX-Elemente im Grohnder Reaktor protestieren viele Menschen seit Jahren.
Beim Autobahn-Aktionstag am 25. Februar 2012 wurde auf dem Streckenabschnitt vom Rasthof Herford an der A2 bis zum AKW Grohnde gezeigt, dass mit weiteren, umsichtigen Aktionen auf und entlang der gesamten Strecke zu rechnen ist, falls der Transport stattfinden sollte. Plutoniumtransporte sind unverantwortlich - deshalb muss der Transport abgesagt werden!
Fordern Sie die AKW-Grohnde-Besitzer auf, den MOX-Transport abzusagen!
E.ON Kernkraft | 0511 - 439 25 04 | info-kernkraft@eon.com
Stadtwerke Bielefeld | 0521 - 51 90 | info@stadtwerke-bielefeld.de
Uran-Brennelemente auf Ostseefähren und gebrochene Haltefedern...
Am 6.3.2012 fand anscheinend ein erster von mehreren geplanten LKW-Transporten mit Uranbrennelementen aus der Brennelementfabrik Lingen (Advanced Nuclear Fuels) zum AKW Grohnde statt. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in der Liste der Transportgenehmigungen für 'Kernbrennstoffe' mit Stand vom 03.04. erfolgten am 20.03. und am 27.03.2012 Transporte von unbestrahlten (Uran-) Brennelementen von der "Westinghouse Electric Sweden AB" in "Västeras" nach Grohnde. Diese beiden Brennelement-Transporte erfolgten offensichtlich mit Ro/Pax-Fährschiffen (Fracht und Passagiere) der Reederei Scandlines aus Trelleborg/Schweden über die Ostsee in den Hafen von Rostock. Die "Revision" des AKW mit Brennelementwechsel hat vom 6. bis 21. April 2012 stattgefunden. Es wurden laut E.ON 48 Brennelemente gewechselt. Nahezu Zeitgleich wurden in Brockdorf gebrochene Haltefedern bei Brennelementen entdeckt. Der Hersteller wurde nicht genannt. In Grohnde gab es 2 meldepflichtige Feststellungen: "Rissartige Anzeigen" an Rohren und nicht mehr erlaubte Dübel... Genaueres ist unklar.
Zu den geplanten MOX-Transporten wurde laut dem NRW-Innenminister bereits Ende Januar 2012 von der polizeilichen Kommission "Kosikern" bei der Landesregierung eine Stellungnahme zur Sicherheitslage angefragt. Möglich ist eine Verlegung wegen der NRW-Wahl, also nur aus politischen Erwägungen. Von der englischen Atomanlage Sellafield können die ca. 20 Tonnen schweren CASTOR-ähnlichen MOX-Behälter per LKW zum Hafen Workington oder per Bahn zum Hafen Barrow-in-Furness gebracht werden. Eingesetzt wird für den Schiffstransport vermutlich die "Roll On/Roll Off"-Atomfähre Atlantic Osprey. Der wahrscheinliche Zielhafen ist Antwerpen. Die mögliche Straßenroute der gepanzerten Spezial-LKW sehen Sie hier:
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Proteste und Aktionen...
Vorstellbar ist z.B. eine große Aktion "Stillstand für Transporte mit Atomarer Unfallgefahr (S.T.A.U.)", bei der es durch gemeinsames Fahren auf der Transportstrecke zur als Stau bekannten Verlangsamung des Verkehrs kommt, aber niemand persönlich dafür verantwortlich gemacht oder bestraft werden kann. Kreative Aktionen sind auf der mehrere hundert Kilometer langen Strassentransportstrecke an vielen Orten möglich. Auf den letzten Kilometern und Metern sind auch Blockaden an den Zufahrten des AKW Grohnde wahrscheinlich, wie sie mit der demonstrativen "Sitzprobe" im Januar 2011 angekündigt wurden. Bei einer Ankettaktion am 26. April 2011 ketteten sich einige Menschen für mehrere Stunden an das Zufahrtstor des AKW. Eine kletternde Blockade am AKW fand am 2. Oktober 2011 statt.
Rechtlich sind friedliche Sitzblockaden meist höchstens Ordnungswidrigkeiten, die bei den großen Castorblockaden im Wendland teilweise nicht einmal zur Personalienkontrolle führten, selbst wenn sie auf Gleisen stattfanden (die aber für den normalen Verkehr gesperrt waren). Es wird aber meist mit polizeilicher Gewalt unterschiedlicher Härte versucht diese Blockaden zu verhindern. Ankettaktionen könnten als Nötigungen verfolgt werden (E.ON stellte Anzeige wegen Nötigung und Hausfriedensbruch, was aber - vermutlich zur Vermeidung öffentlicher Aufmerksamkeit - zu keinen Strafen führte). Absichtliche Verkehrsbehinderung mit Fahrzeugen kann für FahrerInnen zu Strafen führen. Proteste auf Autobahnen haben sicherlich ein hohes Risiko, welches bedacht werden sollte. Falls die Strecke aber für den Atomtransport abgesperrt würde, sind natürlich auch Sitzblockaden auf Autobahnen möglich und dann wieder nur eine Ordnungswidrigkeit. Auch angemeldete Fahrraddemonstrationen auf Autobahnteilabschnitten wurden schon richterlich als legitim erklärt.
Gefahren aus Sellafield
Die Atomanlage Sellafield wurde für das britische Atombombenprogramm und für die "zivile" Atomindustrie genutzt. Die Initiative CORE ("Cumbrians opposed to a radioactive environment") ist seit den 80er Jahren gegen die Anlage aktiv, in der sich mehrere, teils nach Unfällen stillgelegte Reaktoren und Wiederaufarbeitungsanlagen befinden. Große Mengen radioaktiven Abfalls unbekannter Zusammensetzung lagern in brüchigen, wassergefüllten Betonbehältern, wie z.B. dem Gebäude B30, das von einem Sellafield-Manager als "the most hazardous industrial building in western Europe", also "das gefährlichste Industriegebäude in West-Europa" bezeichnet wird. Seit Jahrzehnten gelangt dort im Normalbetrieb und bei Unfällen Radioaktivität in die Umwelt, was unter anderem zur Sperrung von Stränden und Badeverboten in der Umgebung der küstennahen Anlage führte.
Die Schließung der nie richtig funktionierenden und mit Steuermilliarden finanzierten "Sellafield MOX Plant" (SMP) wurde im August 2011 bekanntgegeben, als Japan wegen der dreifachen Katastrophe als Kunde für MOX-Brennelemente wegbrach. Im Jahr 2000 wurden in den Hauptabnehmerländern Deutschland und Japan MOX-Importverbote verhängt, weil in der Sellafield "MOX-Demonstration Facility" (MDF) Sicherheitszertifikate für Brennelemente gefälscht worden waren. Die kleine Anlage wurde ersatzweise für die kommerzielle MOX-Produktion genutzt, da SMP wegen andauernder Probleme nicht in Betrieb ging.
Was sind MOX-Brennelemente?
Mischoxid-Brennelemente (MOX) bestehen nicht wie herkömmliche Brennelemente aus Uran allein, sondern aus einem Gemisch von Uran(oxid) und Plutonium(oxid). In jedem Atomreaktor entsteht – vor allem durch Bestrahlung von Uran-238 – Plutonium als Abfallprodukt der Kernspaltung. Abgebrannte Brennelemente aus deutschen AKW enthalten knapp ein Prozent Plutonium, d.h. es entstehen etwa 250 Kilogramm pro Reaktor (1 Gigawatt) und Jahr.
Das entstandene Plutonium wurde bzw. wird aus den stark strahlenden abgebrannten Brennelementen extrahiert, wobei viele radioaktive Abfälle entstehen. Dies geschieht in den sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA), die in Frankreich deswegen schlicht und ehrlich "usine plutonium" heißen: "Plutoniumfabrik". Da die AKW-Betreiber verpflichtet sind, das bei der Wiederaufarbeitung ihrer Abfälle abgetrennte Plutonium wieder zurück zu nehmen, wurden nun die MOX-Brennelemente hergestellt, die wieder im Reaktor verwendet werden und dabei noch mehr Plutonium entstehen lassen.
Welche Gesundheits- und Umweltschäden können MOX-Brennelemente verursachen?
Das hochgiftige radioaktive Schwermetall Plutonium, das in den MOX Brennstäben enthalten ist, löst schon in Mikrogramm-Dosen (Millionstel Gramm) Krebs aus. Transporte sind eine Gefahr: Große Mengen Plutonium müssen von der Wiederaufarbeitung zu den Brennelementfabriken und von dort zu den Reaktorstandorten transportiert und dort gelagert werden. Das multipliziert die Unfallgefahren. Zudem ist ein Zugriff auf das waffentaugliche Material mit sehr begrenztem Aufwand an vielen Stellen bis zum tatsächlichen Einsatz der Brennelemente im Reaktor möglich.
Die Regelung eines mit MOX betriebenen AKW ist aus physikalischen Gründen komplexer und erfordert zusätzliche Maßnahmen zur Kontrolle der Reaktivität. Bei einem Unfall können sich die Schadenswirkungen erhöhen, insbesondere weil MOX-Brennelemente mehr langlebige radioaktive Stoffe enthalten. Abgebrannte MOX-Brennelemente sind „heißer“ als reine Uran-Brennelemente und benötigen daher mehr Platz bei der Endlagerung.
Alternativen zur MOX-Herstellung:
Eine Alternative zur Herstellung von MOX wäre eine Verglasung der Plutoniumbestände zusammen mit anderem radioaktivem Müll aus der Wiederaufarbeitung. Dies würde das waffenfähige Material zumindest vor erneutem Zugriff sichern und die oben genannten Risiken vermeiden. Weitere Informationen enthält die Broschüre "Bombenrisiko Atomkraft".
Sowohl im Stadtwerke-Schulforum, als auch in der dort verlinkten Infoseite zum Gemeinschaftskraftwerk Weser wird das Kernkraftwerk Grohnde verharmlost. Aus einer Übersicht des Bundesamt für Strahlenschutz geht hervor, dass das AKW Grohnde Problem-Spitzenreiter (Stand: 29.02.2012) mit 230 "meldepflichtigen Ereignissen", bei den noch in Betrieb befindlichen deutschen Kernkraftwerken ist. Trotzdem schreiben die Stadtwerke:
"Das Kernkraftwerk an der Weser gehört seit Inbetriebnahme 1984 zu den weltweit zuverlässigsten Kernkraftwerken. Es kann ganzjährig besucht werden".
"Das Kraftwerk arbeitet technisch zuverlässig und einwandfrei. Im April 2010 fand eine Kraftwerksrevision statt, bei der auch Brennelemente gewechselt wurden."
Eine Durchsicht der "Meldepflichtigen Ereignisse" zeigt folgendes Bild: Leitungslecks, defekte Brennelemente (mit erhöhter Radioaktivität im Primär-Kühlwasser) und Risse durch "thermische Materialermüdung":
Im bestehenden Energiekonzept der Stadtwerke Bielefeld ist unter anderem vorgesehen in Bielefeld mehr Müll zu verbrennen. Den Atomstrom aus Grohnde wollen die Stadtwerke (und anscheinend auch die regierende Ampelkoalition im Stadtrat, zusammen mit der oppositionellen CDU und Teilen der BfB) so lange wie möglich nutzen und auch außerhalb Bielefelds günstig an Industriebetriebe verkaufen. Einen im April 2011 beschlossenen "schnellstmöglichen Atomausstieg" und die Forderung der Stilllegung des AKW Grohnde durch den Betreiber bis 2018, nahmen sie in Aufsichts- und Stadtratsbeschlüssen im Juli 2011 zurück - ein engagierter Weg zu 100% erneuerbarer Energie sieht anders aus.
Bei der Werbung setzen die Stadtwerke allerdings schon voll auf "grün":
Im Schaufenster des "Haus der Technik" gibt es keine Bilder von Atom- und Kohlekraftwerken. Windräder und Solarzellen sollen den Eindruck erwecken, die Stadtwerke Bielefeld machten nachhaltige Energiepolitik. Sogar wohlwollend gerechnet beträgt der erneuerbare Anteil aber nur 10 Prozent. Deshalb gilt: Druck machen, jetzt wechseln!
FAZIT:
Bei den Stadtwerken Bielefeld ist trotz beworbener "Bürgerbeteiligung" nicht klar wer das Sagen hat und in welchem Hinterzimmer die Entscheidungen fallen. Die Atomkonzerne E.ON und EnBW sitzen mit am Tisch, die Gesellschafter aus Bielefeld und Oldenburg machen Vorgaben und oft können nur massive Proteste umweltschädliche und gefährliche Projekte (auch von Stadtwerken) verhindern. Im Gegensatz zu Gewinnen von E.ON, fließen Gewinne von Stadtwerken in kommunaler Hand manchmal auch in sinnvolle städtische Projekte, wie den öffentlichen Nahverkehr. Das rechtfertigt aber nicht die städtische Beteiligung an Atomreaktoren (konkret an denen in Hamm und Grohnde) bei denen Milliarden Euro auf die Allgemeinheit abgewälzt wurden und werden. Es rechtfertigt nicht das Leugnen der Gefahren auch des AKW Grohnde, die weit über die Stadt Bielefeld hinausgehen. Es ist nicht legitim Atomenergie zu nutzen.

In den Medien, den Parlamenten und auf der Straße wird gerade ein Machtkampf ausgetragen, bei dem es um die Zukunft der Energieversorgung geht.
Mit Kampagnen gegen Erneuerbare Energie oder für zukünftige Großprojekte versuchen die alten Energiekonzerne und die Bundesregierung die Stromwende um Jahrzehnte zu verschieben.
Die gefährlichen Atomkraftwerke und unsinnigen neuen Kohlekraftwerke, kombiniert mit schlechten Ideen wie der ebenfalls gefährlichen CO2-Verpressung in den Boden (CCS-Technologie), würden die Netze mit dreckigem Strom blockieren. Später könnten die Konzerne dann mit "erneuerbaren" Großprojekten vielleicht ihre Marktmacht behalten.
Aus Umwelt- und sozialen Gründen sinnvoll und in kurzer Zeit machbar ist dagegen der dezentrale Umstieg zu 100% erneuerbaren Energien. Viele kleine, erneuerbare Anlagen, dort wo der Strom gebraucht wird, in verteiltem Besitz. Solarenergie vom Dach, Windkraft vom Acker, kleine Laufwasserkraftwerke...
An Windparks und Solaranlagen verdienen auch die lokalen Gemeinden und die beteiligten BürgerInnen. An "Desertec" und anderen Großprojekten, falls Sie je gebaut werden, überwiegend die großen Konzerne. Es ist kaum mehr vorstellbar, dass noch vor einigen Jahrzehnten viele Wasser- und Windmühlen in und am Rand von Städten und Dörfern in Betrieb und eine gern genutzte Energiequelle waren. In Bielefeld trieb die Lutter bis zu 12 Wassermühlen an. Jetzt sind die ehemaligen Mühlen meist nur eine romantische Erinnerung an vergangene Zeiten.
Manche sehen beim Betrachten der modernen Nachfolger der alten Windmühlen nur die Schönheit und die gefahrlose Energiequelle, andere haben ein Unbehagen, das Sie zu modernen Nachfolgern "Don Quichottes" werden läßt. Ein lustiger Comic fasst diese Gefühle zusammen. Fakt ist: Ein schwerer Defekt in einem Windrad führt zu minimalem Schaden auf einem Acker. Ein schwerer Defekt in einem AKW kann viele Menschenleben kosten und riesige Gebiete unbewohnbar machen.
Allerdings gibt es auch Kritik an erneuerbaren Energien, die berechtigt ist. Groß-Biogasanlagen und Biokraftstoffproduktion auf Kosten der Lebensmittelerzeugung sind Stichworte, wo kritisches Hinschauen nicht schaden kann. Statt Treibstoff aus Biomasse zu erzeugen, bietet sich insbesondere ein anderes Verfahren an, das zudem eine neue und zukunftsfähige Speichertechnik für erneuerbare Energie darstellt und gerade eingeführt wird: Die Erzeugung von Stadtgas aus Windstrom. Außerdem sind Fahrzeuge mit Elektromotoren generell energieeffizienter, als welche mit Verbrennungsmotoren. Deswegen wird es in Zukunft viele neue Elektrofahrzeuge geben, in deren Akkus direkt erneuerbarer Strom gespeichert werden kann.